Was ist 2025 passiert?
Das Jahr 2025 war für i-PÄD eine Zäsur, die sichtbar gemacht hat, wie fragil intersektionale, queere und rassismuskritische Bildungsarbeit in Berlin inzwischen geworden ist. Mitten im laufenden Haushaltsjahr strich die Bildungsverwaltung unsere gesamte Finanzierung. Ohne Vorwarnung, ohne fachliche Begründung, ohne Rücksprache mit den Einrichtungen, die unsere Arbeit dringend benötigen. Dieser Kahlschlag war kein Verwaltungsakt, sondern eine politische Entscheidung, die ein erfahrenes Team, das seit 14 Jahren kontinuierlich in der Berliner Bildungslandschaft arbeitet, praktisch über Nacht ins Aus gedrängt hat.
Die Kürzungen trafen Schulen, Fachschulen, SIBUZ-Standorte, Schulpraktische Seminare und zahlreiche Communities, die über viele Jahre mit uns gearbeitet haben. Und sie trafen ein Projekt, das jährlich bis zu 2.000 Menschen erreicht und grundlegende diskriminierungskritische Arbeit leistet, die in Berlin schlicht nicht ersetzt werden kann.
Die Folgen waren massiv. Prozessbegleitungen mussten abrupt abgebrochen werden. Schulen blieben in laufenden Konflikten ohne fachliche Unterstützung zurück. Vertrauensverhältnisse, die über Jahre gewachsen sind, brachen weg. Kolleg*innen verloren Erfahrungsstufen, Einkommen und Sicherheit. All das in einem gesellschaftlichen Klima, in dem rechte Mobilisierung, Antifeminismus, Queerfeindlichkeit und rassistische Gewalt zunehmen und in dem pädagogische Einrichtungen täglich vor eskalierenden Spannungen stehen. Dass die Bildungsverwaltung ausgerechnet in dieser Situation intersektionale und diskriminierungskritische Arbeit aus dem Haushalt gestrichen hat, obwohl diese Arbeit ausdrücklich im Koalitionsvertrag verankert ist, zeigt eine politische Geringschätzung, der wir uns entschieden entgegenstellen.
Wie geht es für uns in 2026 weiter?
2026 wird deshalb ein Jahr des Wiederaufbaus. Gleichzeitig feiern wir unser 15-jähriges Jubiläum, allerdings nicht mit romantischer Rückschau, sondern mit klarem politischen Bewusstsein. Wir wissen, dass diese Arbeit nur weiterbestehen kann, wenn sie institutionell abgesichert wird und die Strukturen, die sie tragen, stabil bleiben. Wir werden in den kommenden Monaten ein multiprofessionelles Team neu aufbauen, Kooperationen reaktivieren und Standards sowie Materialien wieder in die Bildungslandschaft zurückbringen. Dieser Prozess wird Zeit benötigen, doch er ist zwingend notwendig, damit i-PÄD seine Wirksamkeit zurückgewinnen kann.
Wir setzen im kommenden Jahr deutlichere Prioritäten. Wir werden fokussierter arbeiten und Prozessbegleitungen vor allem dort durchführen, wo sie strukturelle Wirkung entfalten. Dazu gehören die SIBUZ-Standorte, die eine zentrale Rolle für Inklusion, Kinderschutz, psychosoziale Krisen und diskriminierungskritische Qualitätsentwicklung spielen. Ebenso gehören das Schulpraktische Seminar, mit acht Standorten zu unseren Schwerpunkten, weil sie entscheidende Orte der Lehrkräfteausbildung sind und dort diskriminierungskritische Perspektiven eine besonders große Hebelwirkung haben. Auch die Fachschulen der sozialen Berufe bleiben für uns zentrale Partner*innen, da dort zukünftige Erzieher*innen und Sozialpädagog*innen ausgebildet werden, die entsprechende Kompetenzen dringend benötigen.
Unser Jubiläum verstehen wir nicht als Moment der Selbstfeier, sondern als Auftrag. i-PÄD bleibt präsent, kämpferisch und notwendig. Wir werden weiterhin dafür arbeiten, dass intersektionale Perspektiven in Berlin dauerhaft verankert werden und politisch geschützt bleiben. Die Bildungslandschaft dieser Stadt kann es sich nicht leisten, diese Expertise zu verlieren. Und wir werden nicht zulassen, dass eine politische Verwaltung die Grundlage unserer Arbeit so willkürlich beschädigt, wie es im Jahr 2025 geschehen ist.
i-PÄD bleibt, weil unsere Arbeit gebraucht wird. Und weil diskriminierungsfreie Bildung in Berlin keine leere Behauptung sein darf.